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Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz

Vorbemerkung

Was sind Matthias-Bruderschaften? Der Begriff „Bruderschaft“ assoziiert sofort, dass es sich hier um eine Schützenbruderschaft handeln muss, denn in diesem Zusammenhang ist dieser Begriff heute noch bekannt. Matthias-Bruderschaften haben aber mit den Schützenbruderschaften nichts zu tun. Es sind Verbünde mit dem Zweck, Wallfahrten durchzuführen, in diesem Fall zum Grab des heiligen Matthias nach Trier. Die Matthias-Bruderschaften bildeten sich bereits im 12. Jahrhundert, viele davon in der Eifel, am Mittel- und Niederrhein, im Dürener und Jülicher Land und im Schwalm-Niers-Gebiet.1

Geschichte

Ähnlich wie in den umgebenden Orten existierte wahrscheinlich auch in Erkelenz schon früh eine Matthias-Bruderschaft. Darüber liegen aber keine Unterlagen vor. Erste Nachweise von Wallfahrten an das Matthias-Grab in Trier ergeben sich aus der Inschrift eines Steinkreuzes im Venn, das dort 1735 zu Ehren der Trierpilger aus Erkelenz aufgerichtet wurde.2 Aus der Folgezeit fehlen weitere Hinweise. Das liegt vielleicht auch daran, dass während der französischen Besatzungszeit die Pilgerfahrten ausgesetzt wurden bzw. um die Jahrhundertwende verboten waren. Ab 1820 wurden wieder Pilgerfahrten durchgeführt. Ab 1856 gibt es lückenlose Aufzeichnungen zu den Wallfahrten.

Gründung

Mit der Unterzeichnung der Statuten am 15. Juli 1856 durch den Oberpfarrer der Erkelenzer Pfarrgemeinde, Johann Josef Bell, hatte sich die St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz gegründet.

„[…] unter dem Schutze des Heiligen Apostels Matthias in der Pfarrkirche zu Erkelenz (hat sich) eine Bruderschaft gebildet, welche bezweckt, sowohl die Verehrung des Heiligen, als auch das gegenseitige Wohl der Mitglieder, namentlich durch christliche Fürbitte, zu fördern. Zu diesem Zwecke wird alljährlich, und zwar am Tage nach Christi Himmelfahrt von der dortigen Pfarre aus nach Trier gewallfahrtet.“3

Zweck der Bruderschaft war und ist, das Wohl der Mitglieder durch eine jährliche Wallfahrt nach Trier am Tage nach Christi Himmelfahrt zu fördern. Am Namenstag des Patrons sind Messen und Andachten zu halten. Zum Vorstand der Bruderschaft gehörten ursprünglich ein Präfekt, dessen Stellvertreter, zwölf Brudermeister und der Kassierer. Der Vorstand wird alle drei Jahre neu gewählt. Die Aufgabe besteht in der Einhaltung der Statuten, wozu die Organisation der Wallfahrt und das Eintreiben eines Eintrittsgeldes und der jährlichen Beiträge der Pilger gehörte. Der erste Vorstand setzte sich aus Mitgliedern von 13 Ortschaften zusammen. Dies zeigt, dass die Matthias-Bruderschaft Erkelenz von Anfang an ein Zusammenschluss von Pilgern des damaligen Dekanats Erkelenz war. Die Mitgliederzahlen aus den umliegenden Ortschaften waren zu klein für die Gründung einer eigenen Bruderschaft.

Zum ersten Vorstand gehörten:

Präfekt: Peter vom Berg aus Lövenich
stellvertretender Präfekt: D.G. Knorr aus Bellinghoven
Kassierer: Friedrich Schiffers aus Oerath
Zu Brudermeistern wurden gewählt:

  1. Gerhard Honold aus Lövenich
  2. Heinrich Rixgens aus Kückhoven
  3. Hormes aus Rath
  4. Jakob Oellers aus Erkelenz
  5. Gottfried Thelen aus Matzerath
  6. Heinrich Giließen aus Ellinghoven
  7. Johann-Gerhard Heinrichs aus Üvekoven
  8. Wilhelm Oeben aus Brück
  9. Anton Venedey aus Granterath
  10. Heinrich Bruns aus Venrath
  11. Matthias Brunen aus Anhoven
  12. Peter Josef Koch aus Lövenich4

© Josef Hermsen | Ostensorium
Ostensorium von 1857

Die Gründungsversammlung genehmigte auch die Anschaffung eines Ostensoriums (Reliquien-Monstranz). In ihr sollte die vom Generalvikariat versprochene Reliquie, ein Partikel des heiligen Matthias, aufbewahrt werden. Wilhelm Walraffen stiftete die Monstranz. Diese Monstranz war nach dem 2. Weltkrieg eine Zeit lang unauffindbar. Erst im Jahre 2008 fand man sie im Pfarrarchiv von Sankt Lambertus Erkelenz wieder.5

© Josef Hermsen | Ostensorium - Matthias
Heiliger Matthias

Wahrscheinlich durch Kriegseinwirkung wurde die Monstranz schwer beschädigt. Sie ist etwa 50 cm hoch. In dem mittleren Teil befand sich ursprünglich ein Glasbehälter, in dem der Reliquiensplitter des Heiligen Matthias aufbewahrt wurde. Drei Heilige „bewachen“ die Reliquie. Neben dem Glasbehälter sind dies der Heilige Petrus (rechts) und der Heilige Paulus (links). Der Heilige Matthias thront über dem Glasbehälter. Über den Figuren erheben sich gotische Zinnen. In einer Urkunde vom 25. Februar 1857 wird beurkundet, dass der Reliquiensplitter nach Erkelenz geliefert wurde.

Wallfahrten

Der erste schriftliche Nachweis für eine Wallfahrt erfolgte am 15. März 1857. In einem Vertrag mit dem Fuhrmann Heinrich Correas aus Oestrich wird festgehalten, dass er sämtliche Effekten (hier ist wohl das Gepäck gemeint) für die ganze Wallfahrt zu transportieren habe. Dafür erhielt er eine Entschädigung von 6 Pfennigen pro Kilogramm Gewicht.

Der Transport geschah bis nach dem 2. Weltkrieg durch ein Pferdegespann, wobei auch schon mal ein Ersatzpferd zum Einsatz kam. Ab 1949 wurde das Gepäck der Pilger durch einen Traktor transportiert. Die Fuhrleute mussten für ihren Lohn auch das Gepäck der Pilger aus den umliegenden Ortschaften abholen. Pilger durften während der Wallfahrt bei Ermüdungserscheinungen oder Verletzungen für einen Silbergroschen zeitweilig auf der Ladefläche Platz nehmen und sich ausruhen.6

Seit 1934 erfolgen zusätzlich zur Fußwallfahrt auch Buswallfahrten nach Trier. Bus- und Fußpilger treffen sich am Moselufer, um gemeinsam in die Matthias-Basilika einzuziehen. Im Jahre 1998 mussten die Dreitages-Busfahrten eingestellt werden, Eintagesfahrten werden auch heute noch durchgeführt.

Zwischen 1857 und 1914 wurde nahezu jedes Jahr eine Wallfahrt durchgeführt. Nur 1871 und 1912 fielen die Wallfahrten aus, zum einen wegen der Kriegsereignisse, zum anderen wegen einer Pockenepedemie. Während der Kriegszeit des Ersten Weltkrieges gibt es keine Aufzeichnungen zu Wallfahrten. Es ist wohl bekannt, dass die Vorstandswahlen 1916 verschoben werden mussten, weil kriegsbedingt nur zwei Mitglieder und der Präfekt anwesend waren. Im Jahre 1920 beschloss man, die Wallfahrt wegen der enorm gestiegenen Kosten ausfallen zu lassen. Zwischen 1921 und 1939 erfolgten mit einer Ausnahme wieder Wallfahrten nach Trier.

Im Zweiten Weltkrieg konnten ebenfalls keine Fußwallfahrten stattfinden. Einige Mitglieder sind 1943 auf eigene Faust nach Trier per Zug oder auch zu Fuß gepilgert. Die Bruderschaft hat aber in der Kriegszeit weiter bestanden. Nach dem Krieg sollte die erste Wallfahrt 1947 mit 36 Pilgern durchgeführt werden. Sie scheiterte allerdings an der Einreiseerlaubnis in die französische Zone, in der Trier lag. Erst 1948 konnte die erste Fußwallfahrt nach dem Krieg mit 39 Pilgern durchgeführt werden.

Die Fußwallfahrten hatten in den 1950er Jahren noch unterschiedlich viele Teilnehmer. Ab den 1960er Jahren stieg die Zahl der Fußpilger ständig und erreichte zeitweilig 50 Teilnehmer. Heute pilgern etwa 20 bis 25 Frauen und Männer jährlich zu Fuß nach Trier.

Pilgerweg

Ursprünglich gingen die Pilger in 4 Tagen nach Trier, sie blieben an einem Tag in der Stadt und kehrten dann zu Fuß in 4 Tagen wieder nach Erkelenz zurück. Die Wallfahrt wurde mit dem sakramentalen Segen in der Pfarrkirche Sankt Lambertus beendet. In der Regel fing der Tag um 4 Uhr morgens mit einer heiligen Messe an, gegen 5 Uhr in der Frühe zog man dann zum nächsten Übernachtungsquartier, das man nach etwa 45 km Wanderung am späten Nachmittag erreichte.

Einen guten Eindruck vom Pilgerweg und der Atmosphäre während des Weges gibt der Bericht von Konrad Gierling über die Wallfahrt von 1953. Er ist aus der Jubiläumsausgabe zum 275-jährigen Bestehen der Sankt Matthias-Bruderschaft wörtlich entnommen.

„Am 15. Mai 1953 begaben sich 16 Pilger, die sich aus den Bruderschaften des Kreises Erkelenz zusammengefunden hatten, auf die Fußwallfahrt nach Trier. Um 4.00 Uhr wohnten wir in der Lambertuskirche dem heiligen Meßopfer bei und empfingen die hl. Kommunion. Der Abmarsch war um 5.00 Uhr. Ziel des 7. Tages war Soller, das wir über Jülich-Düren um 17.30 Uhr erreichten. Wir hatten schon manchen müden Pilger unter uns, besonders unter den Neulingen, für die eben alles noch neu war, die zwar mit gutem Mut begonnen hatten, sich aber keine Vorstellung machen konnten von dem Pensum, das jeden Tag zu leisten ist. Dort tröstet sich einer an dem anderen und die mehrjährigen Pilger versichern, dass es morgen besser geht. So ist es auch.

Ein gesunder Schlaf hat dem Körper wieder neue Kräfte verliehen und am anderen Morgen geht es im Anschluß an die heilige Messe um
4.00 Uhr – welche von unserem Herrn Kaplan Kaiser zelebriert wurde mit frischem Mut dem zweiten Tagesziel Dahlem entgegen. Betend und singend erreichten wir um 18.30 Uhr Dahlem. Nach Erteilung des sakramentalen Segens wurden die Quartiere bezogen und mancher von uns sah die freundlichen Quartiersleute vom Vorjahr wieder. Am 3. Tag wiederum um 4.00 Uhr heilige Messe und danach Abmarsch von Dahlem über Olsheim bis Prüm, wo wir um 11.25 Uhr eintrafen und bis 13.00 Uhr Mittagspause machten. Neu gestärkt stiegen wir anschließend den Kalvarienberg hoch, um dann über Schönecken-Lasel gegen 18.30 Uhr unser drittes Tagesziel, Seffern, zu erreichen. Alle waren guten Mutes hatten wir doch schon 3 Tage hinter uns und die Hoffnung auf den morgigen Tag, am Ziel angelangt zu sein, ließ frohe Stimmung aufkommen. Nach dem sakramentalen Segen bezogen wir unsere Quartiere.
Um 4.00 Uhr in der Früh fand die letzte heilige Messe der Hinreise statt. Alsdann begannen wir unseren Abmarsch und erreichten, nachdem wir in Bitburg kurze Kaffeepause gemacht hatten, um 11.30 Uhr Kloster Helenenberg. Hier wurde zu Mittag gegessen. Wie alljährlich hatten die freundlichen Patres für ein stärkendes Mittagessen gesorgt. Dann noch ein letzter Anlauf und wir hatten um 15.10 Uhr das Kreuz vor Trier erreicht. Hier wurden wie alljährlich die üblichen Gebete verrichtet. Herr Kaplan Kaiser hielt eine Ansprache an die Pilger. An der Moselbrücke erwarteten uns die Buspilger und formierten sich zu einer gemeinsamen Prozession. So zogen wir betend und singend in die Matthias-Basilika ein und dankten Gott am Apostelgrab für die glückliche Ankunft. Am Abend fand die bekannte Lichterprozession statt. Wie ein Jubel drangen die Matthiaslieder gegen Himmel und jedem Pilger wird diese Abendstunde für immer in freudiger Erinnerung bleiben.

Noch ein letzter Blick von den Höhen auf die schöne Stadt. Ein letzter Gruß an St. Matthias mit dem Versprechen „Auf Wiedersehn“ und dann geht es wieder heimwärts in vier langen Tagesmärschen. Eigenartig, je näher wir der Heimat kommen, desto stärker mischt sich in die Wiedersehnsfreude das Bedauern, dass die Wallfahrt zu Ende geht.
Es waren Tage des Gebetes und größter Opfer, aber auch Tage echter Freude, Tage reich an Erlebnissen und Eindrücken, die wir Pilger nie vergessen werden. Die ersten Angehörigen der Pilger erwarten uns schon auf dem Wege nach Körrenzig und Baal. Dort werden es immer mehr. In Erkelenz wurden wir von der Pfarrgeistlichkeit empfangen und unter den Klängen einer Musikkapelle ziehen wir in die im Bau befindliche Lambertuskirche wieder ein. Zum Schluß empfangen wir den sakramentalen Segen und dann schallt ein Dank durch die Kirche „Großer Gott wir loben dich“! Was
in solchen Augenblicken in der Seele des Pilgers vor sich geht, kann nur der empfinden, der es einmal selber miterlebt hat.“7

Da vielen Teilnehmern in den 1960er Jahren der Zeitraum von 9 Tagen und die täglichen Strecken zu lang waren, beschloss man 1968, die Strecken auf etwa 35 km pro Tag und den Zeitraum auf 7 Tage zu verkürzen. Das bedeutete, dass die Fußpilger von einem Bus begleitet wurden, der die zeitlich nicht zu schaffenden Wegstrecken überbrückte. Durch den zunehmenden Autoverkehr wurden die Strecken immer wieder verändert. Bei dem siebentägigen Rhythmus ist es bis heute geblieben.8

Pilgerkreuze

Es war üblich, dass an Pilgerstrecken Kreuze aufgestellt wurden, an denen die Pilger zum Verweilen und zu einem kurzen Gebet eingeladen wurden. Auch Erkelenz ließ ein solches Kreuz im Jahre 1735 im Hohen Venn am so genannten „Trierschen Weg“ von Aachen nach Trier errichten. Gestiftet hatte es der Bürgermeister Godfried Leers, der von 1732 bis 1747 sein Amt versah.

© Josef Hermsen | Kreuz im hohen Venn
Matthiaskreuz vor der Restaurierung im Jahre 2003

Schon im Mittelalter zogen Pilger aus dem Aachener Raum und vom Niederrhein zum Apostelgrab des Hl. Matthias nach Trier. Die Wallfahrten führten nachweislich durch das Hohe Venn und noch heute gibt es von Aachen nach Trier den „Trierschen Weg“. An diesem Weg, der lange Jahre ein Teil des Pilgerweges von Erkelenz nach Trier war, steht das Pilgerkreuz der Matthias-Bruderschaft Erkelenz, ein barockes Steinkreuz mit folgender Inschrift:

Anno 1735, den 2. Mai. Godfried Leers, erenvester Bürgermeister zu Erckelens hat dieses Kreuz zu Ehren S. Matthias Bruterschafft auffrichten lasen. Bit für die Abgestorbenen. GL

© Josef Hermsen | Pilgerkreuz im Venn
Kreuz nach der Restauration

Der Stifter dieses barocken Steinkreuzes, Godfried Leers , war von 1732 bis 1747 mit Ausnahme eines Jahres Bürgermeister von Erkelenz. Er wird wohl ein eifriger Trierpilger gewesen sein, vielleicht deshalb die Errichtung des Kreuzes zu Ehren der Mitglieder der St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz. Möglich ist auch, dass der Bürgermeister das Kreuz gestiftet hat aus Anlass des Todes einer Pilgerin an dieser Stelle; denn der letzte Buchstabe hinter Abgestorbene ist durch eine Abplatzung nicht erkennbar. Dieses Kreuz aus dem Jahre 1735 verdient besonders herausgestellt zu werden, ist es doch der erste authentische Nachweis über Wallfahrten seit dem Bestehen der Bruderschaft. Der damalige Vorsitzende Karl Lange hat dazu am 24. Februar 1937 zum Feste des hl. Apostels Matthias folgendes niedergeschrieben:

Im Herbst des Jahres 1926 hatten die Musiker von Erkelenz, wie seit vielen Jahren üblich, in dem Eifeldorf Höven zur Kirmes aufgespielt. Ein Förster aus der Nähe, der zwischen Höven u. Monschau eine Wirtschaft zur Waldschänke hat, wurde mit obigen Musikern bekannt u. teilte ihnen mit, dass er im Walde im dichten Gestrüpp ein altes Steinkreuz entdeckt habe. Seine Inschrift weise auf eine St. Matthias Bruderschaft in Erkelenz. Beim Anbrennen der Pfeife sei das Streichholz achtlos zur Erde gefallen und hatte das hohe verdorrte Gras sofort in Brand gesetzt und dadurch das Steinkreuz freigelegt.
Einer der Musiker, Franz Glasmacher aus der Koningsgasse in Erkelenz, teilte dieses dem Herrn Peter Bongartz aus Oerath, einem sehr eifrigen Trierpilger, mit. Am 08. Mai 1927 begab sich Herr Bongartz mit dem Motorrad zu dem Förster.
Dieser hatte eine selbst gezeichnete Abbildung von dem Kreuz in seinem Wohnzimmer hängen. Da er jedoch an dem Tage verhindert war, wurde ein Termin bestimmt, wann die beiden Herren zum Kreuz gehen sollten, das weit draussen im Walde stand. In derselben Woche, Donnerstag, den 12. Mai, besuchte Herr Bongartz den Förster und beide gingen zu der Fundstelle mitten im Walde am sogenannten Büllinger Pfad. Das Kreuz war bereits verwittert und in zwei Teile auseinandergefallen.
Die Inschrift lautet, in lateinischer Druckschrift: ‚Anno 1735 den 10 Monat Gottfried Leers oberster Bürgermeister zu Erkelenz hat dieses Kreuz zu Ehren St. Matthias Bruderschaft aufrichten lassen. Bitt für die Abgestorbene. G.L.
Auf dem Bürgermeisteramt konnte Herr Bongartz feststellen, dass Erkelenz zu der damaligen Zeit einen Bürgermeister Leers hatte. Die Folgerung war, dass zu der Zeit bereits von Erkelenz eine Prozession zum Apostelgrab nach Trier gewallfahrtet und an der Fundstelle des Kreuzes eine Pilgerin oder ein Pilger tödlich verunglückt war.
Zum Andenken hat der Bürgermeister Leers für die Stadt Erkelenz dieses Kreuz dort aufgestellt.
Inzwischen bemühte sich Herr Bongartz, das Kreuz nach hier zu holen und so kam er im April 1928 wieder an das Kreuz, wo es bereits in drei Teile zerfallen war.
Seinen fortgesetzten Bemühungen gelang es, den Museumsverein dafür zu interessieren und so konnten Anfang Mai 1929 die Herren Peter Bongartz, Oerath, Stadtoberinspektor Hermann Jansen, Bernhard Jungbluth und Paul Rüttchen, alle aus Erkelenz, letzterer mit seinem Personenwagen, das Kreuz nach hier holen. Es fand nun seine Aufstellung neben dem Eingang zur Pfarrkirche auf der Marktseite.
Alle und besonders wir Trierpilger freuten uns, dass das Kreuz dort einen besseren und würdigeren Platz gefunden, als vorher im Dschungel versteckt, besonders da es, durch die neue Grenzverschiebung nach dem Weltkrieg, nicht mehr möglich war, den alten Pilgerweg, an dem es vordem stand, zu benutzen.
Doch wie hier auf Erden nichts von Bestand ist und eine ungetrübte Freude keinem Sterblichen zuteil wird, sollten auch wir bald erfahren. Nach 4 Jahren, am 15. Juli 1933, kam das erste Schreiben von der Oberförsterei Monschau, worin das Kreuz reklamiert wurde. Von den 12 Schreiben, die hin und her gewechselt wurden, zwischen Forstamt, Landratsämter, Bürgermeisterämter, Polizei, Museum, Altertumsvereine und Private, ist das letzte vom 9. Febr. 1935 datiert.
Es ist unglaublich, was nicht alles für Gründe von allen Seiten erhoben wurden. Doch kann davon hier, aus begreiflichen Gründen, nicht berichtet werden, da diese zu den Akten auf dem Bürgermeisteramt liegen. Der Forstmeister zum Sande aus Monschau hatte von Anfang an behauptet, das Kreuz sei Eigentum des preussischen Fiskus, weil es auf fiskalischem Boden gestanden hätte und daher nicht weggenommen werden dürfe. Unser Herr Landrat Wessel sah sich daher veranlaßt, das Kreuz auf Kreiskosten am 23. März 1935 wieder an seinen früheren Standort hin zu schaffen.
Sein heutiger Standort ist an einer Wegkreuzung bei Kalterherberg. Die oben erwähnte Abbildung hängt hier im Erkelenzer Heimatmuseum.
Alles dieses spielte sich nun nicht in der Öffentlichkeit ab und ich muß es heute noch gestehen, wir waren furchtbar überrascht und enttäuscht, als wir eines Tages feststellen mußten, dass unser liebes altes Kreuz verschwunden war, ohne das auch nur einer von der Matthias-Bruderschaft etwas davon wußte.
Gewiß hätten wir es rechtlich nicht verhindern können, aber auch nicht gern und gutwillig abgegeben. Etwas Gutes hat es uns doch gebracht.
Es war uns wohl bekannt, dass unsere St. Matthias Bruderschaft schon sehr lange bestand, doch hatten wir überhaupt keinen Anhaltspunkt, da irgendwelche Bücher oder sonstige Urkunden nicht vorhanden waren. Das liebe alte Kreuz hat es uns gesagt, dass schon im Jahre 1735 unsere Vorfahren zum Grabe des hl. Apostel Matthias gepilgert sind und so konnten wir am 13. Oktober 1935 das Fest des 200-jährigen Bestehens unserer Bruderschaft im schlichten Rahmen, der Zeit entsprechend, feiern.
Es ist sehr wohl möglich und auch anzunehmen, dass unsere St. Matthias Bruderschaft noch viel länger besteht, doch haben wir dafür keine bestimmten Anhaltspunkte.
Dann soll es uns aber ein Ansporn sein, unsere Bruderschaft vom hl. Apostel Matthias auch weiterhin im rechten Apostelgeist zu fördern, damit sie blühe, wachse und gedeihe, zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen, für alle Zeiten.

© Josef Hermsen | Pilgerkreuz im Venn

Fast 70 Jahre später meldete der Historiker Dr. Klaus Pabst aus Kerpen, eifriger Wanderer im Venn, einen sehr schlechten Zustand des Kreuzes an den Erkelenzer Bürgermeister bzw. an den Heimatverein der Erkelenzer Lande. Nachdem der Vorstand der St. Matthias Bruderschaft im April 2002 informiert wurde, beschloss dieser, die Restaurierung des Kreuzes schnellstmöglich durchführen zu lassen. Ein Restaurator war schnell gefunden, denn Hermann Josef Weuthen, selbst aktiver Trierpilger und Mitglied der Matthias Bruderschaft und als Steinmetz fachlich kompetent, sagte spontan seine Hilfe zu. Zunächst aber musste die Genehmigung vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen eingeholt werden, denn es stellte sich heraus, dass das Erkelenzer Kreuz schon seit 1990 in Belgien unter Denkmalschutz gestellt wurde. Durch gute und schnelle Unterstützung des belgischen Ministeriums und auch der Forstverwaltung Elsenborn wurden dann die Restaurationsarbeiten im August 2004 abgeschlossen.
9

Im Jahre 1991 ließ die Bruderschaft in der Schönecker Schweiz ein zweites Kreuz errichten, das im Jahre 2006 ersetzt werden musste, weil das Holz verrottet war.

Schon seit mindestens 1735 pilgert die St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz zum Apostelgrab des hl. Matthias nach Trier. Dies ist dokumentiert auf dem Pilgerkreuz der Erkelenzer Bruderschaft im Hohen Venn (siehe oben), das der damalige Erkelenzer Bürgermeister Gottfried Leers der Bruderschaft stiftete.
Zur damaligen Zeit zogen die Erkelenzer Pilger über das Hohe Venn auf dem sogenannten Trierschen Pilgerweg nach Trier. In der heutigen Zeit sind die Pilgerwege der Bruderschaften sehr unterschiedlich, bedingt hauptsächlich aus zeitlichen und verkehrstechnischen Gründen. Somit sind in jüngster Zeit viele neue Pilgerkreuze an neuen Pilgerwegen im Rheinland und in der Eifel errichtet worden. Auch die St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz wollte Zeugnis geben von der lebendigen Weggemeinschaft mit Jesus Christus und errichtete im Jahre 1991 an ihrem derzeitigen Pilgerweg nach Trier in der Schönecker Schweiz ein schönes Holzkreuz.

Das Kreuz hatte eine Höhe von ca. 2 m und war aus Leimbinderbalken 20 x 10 cm gefertigt. Mit den beiden Bronzeplatten (Emblem der Matthias-Bruderschaften, bzw. Schriftzug: „St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz“) identifiziert sich die Matthias-Bruderschaft Erkelenz mit diesem Kreuz. Im Jahre 2005 mussten die Pilger auf dem Weg nach Trier feststellen, dass die Leimbinder den extremen Witterungsverhältnissen nicht mehr lange standhalten würden, die Balken waren im Kreuzungsbereich schon sehr stark angefault.
Es begann eine rege Diskussion zur Restaurierung bzw. Erneuerung des Kreuzes. Eine Restauration sowie die Erstellung eines neuen Holzkreuzes aus Leimbindern, Eichenholz, Buche oder Bankirai wurden zwar immer wieder diskutiert, aber schließlich doch verworfen. Das neue Kreuz sollte, ohne jährliche Behandlung bzw. Konservierung, um ein Vielfaches von 15 Jahren den Witterungsverhältnissen standhalten.
Bevor jedoch der gewünschte Vorschlag, das Kreuz aus Metall zu fertigen, in die Detailplanung ging, musste noch die Genehmigung der Kreisverwaltung Bitburg und des Forstamtes Prüm hierzu eingeholt werden. Vorgeschlagen wurde ein Kreuz aus Eisen (unbehandelt rostfarben) oder aus Kupfer (grüne Patina).
Die Kreisverwaltung war erfreut über die Aktivitäten der Bruderschaft und befürwortete die Metallausführung auch aus stilistisch, ästhetischen Gründen.
Sie hält die Materialauswahl aus rostfarbenem Eisen für die bessere Wahl, weil das Kreuz sich dann farblich besser von der grünen Umgebung abhebt.
Das Forstamt sähe lieber ein Kreuz aus heimischen Hölzern, wäre aber mit einer Metallausführung nach Vorstellung der Erkelenzer Bruderschaft einverstanden.
Gegen die Ausführung in Kupfer sprach der Preis und das Argument, dass ein Kupferkreuz, in der einsamen Waldgegend, schnell Diebe anlocken könnte.
Und so beschloss dann auch der Vorstand im Frühjahr 2006, das Kreuz, nach dem Entwurf von Josef Hermsen, aus rostendem Stahl schweißen zu lassen.
Die Schweißarbeiten wurden fachmännisch ausgeführt von Heinz Büschkens aus Mennekrath. Am 22. März 2006 konnte die Bruderschaft das neue Kreuz an gleicher Stelle in der Schönecker Schweiz, wieder aufstellen. Die äußeren Abmessungen wurden vom alten Kreuz übernommen. Durch die moderne Gestaltung, mit auf Abstand gesetzten Flacheisen, ist es gelungen, dem schweren Eisenkreuz eine gewisse Leichtigkeit zu geben. Die beiden Bronzeplatten, das Emblem der Matthias-Bruderschaften und der Hinweis auf die Matthias-Bruderschaft Erkelenz, sind an gleicher Stelle wieder angebracht worden. Zur Erinnerung an das erste Kreuz ist die Emblemplatte mit dem Erstellungsjahr 1991 versehen. Über der Bruderschaftsplatte sind das Gründerjahr 1735 und das Erstellungsjahr 2006 eingeschlagen.10

Singkreis der SMB Erkelenz

In den Jahren 2003 bis 2012 existierte in der St. Matthias – Bruderschaft Erkelenz ein gemischter Chor, der Singkreis der SMB Erkelenz. Anfangs waren es hauptsächlich Fußpilger, doch schon im Jahre 2008 bestand  der Chor aus Fuß- und Tagesbuspilgern mit einer beachtlichen Mitgliederzahl von 34 Sängerinnen und Sängern. Der Chor unter der Leitung von Leo Vieten stellte sich zur Aufgabe, bei der Ankunft in Trier das Pontifikalamt mit dem Abt in der Matthias Basilika feierlich zu gestalten.
Man probte etwa 12 Mal im Jahr mit Probenbeginn jeweils ab Aschermittwoch. Zum Repertoire gehörten überwiegend geistliche Lieder aus Taizé, aber auch solche aus der Reihe der „Neuen geistlichen Gesänge“, Spirituals und hebräische Lieder.

Leider löste sich der allseits beliebte Singkreis wegen Nachwuchsmangel auf. Er hat sich in einer Heiligen Messe in St. Lambertus im Jahre 2012 verabschiedet.11

  1. siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Matthiasbruderschaft (Stand: 02.2022)
  2. siehe 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 17
  3. 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 18
  4. siehe 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 19
  5. siehe 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 20
  6. siehe 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 25 f.
  7. siehe 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 36 bis 38
  8. siehe 275 Jahre Sankt Matthias-Bruderschaft Erkelenz, a. a. O., Seite 35 ff.
  9. Text von Josef Hermsen
  10. Text von Josef Hermsen
  11. Text von Josef Hermsen und Wolfgang Lothmann für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz Stadt und Land (Hrsg.), 275 Jahre St. Matthias-Bruderschaft Erkelenz Stadt und Land 1735 - 2010. Erkelenz, 2010
  2. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/Matthiasbruderschaft (Stand: 02.2022)
  3. Pfarrgemeinde Christkönig Erkelenz (Hrsg.), https://christkoenig-erkelenz.de. /leben-in-den-gemeinden/aktiv-sein/matthiasbruderschaft/ (Stand: 02.2022)

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