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Ordensschwestern in Kückhoven

Wunsch nach einem Kindergarten

Am 16.8.1912 verkaufte Hugo Krings an Pfarrer Grosche das Grundstück, auf dem das spätere Kloster stand. Bereits am 16. Dezember 1911 hatte dieser die königliche Regierung in Aachen um eine Genehmigung ersucht, dass sich die Armen Dienstmägde Jesu Christi aus dem Mutterhaus in Dernbach mit drei Schwestern dort niederlassen durften. Zur Rechtfertigung seiner Bitte führte er aus, dass Kückhoven aus 1350 Seelen bestünde, in der Mehrzahl kleine Landwirte oder Tagelöhner und ca. 150 Industriearbeiter und Heimarbeiterinnen.
Einen Arzt gäbe es nicht am Ort und vor allem um die Haus- und Krankenpflege der ärmeren Bevölkerung sei es schlecht bestellt. Auch praktische Unterweisungen im Krankheitsfall seien notwendig. Lungentuberkulose sei stark verbreitet und Typhusfälle träten immer wieder auf. Die zweite Aufgabe der Schwestern sollte die Einrichtung einer Kleinkinderbewahranstalt sein, da die Kinder der Tagelöhner- und Arbeiterfrauen sowie der Bauersfrauen
in Abwesenheit der Mütter behütet und vor Verwahrlosung geschützt werden sollten. Die weibliche Jugend sollte durch den Besuch einer neu einzurichtenden Handarbeits- und Kochschule zu tüchtigen Hausfrauen angeleitet und von Vergnügungen ferngehalten werden.
Grosche schloss seine Eingabe damit, dass die Kosten für weltliche Einrichtungen nicht aufgebracht werden könnten, abgesehen davon, dass man zu den Schwestern schnell Vertrauen fassen würde. Die kirchliche Genehmigung wurde am 16. Januar 1912 erteilt und der Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten stimmte im April zu.

Die Armen Dienstmägde Jesu Christi

Bereits 1913 kamen Schwester Vincentia und drei weitere Schwestern nach Kückhoven. Pfarrer Grosche hatte dort ein Haus bauen lassen. Im April begann Schwester Melanissa mit der Krankenpflege, Schwester Anthusa mit dem Kindergarten. Da die Kleinen nur Platt sprachen, gab es am Anfang große Verständigungsschwierigkeiten. Auf einem Foto von 1913 ist Pfarrer Grosche mit 78 Kindern abgebildet, d. h., der Kindergarten fand sofort großen Zulauf. Im November startete auch die Nähschule mit sieben Mädchen.

© Archiv der Pfarrei Christkönig Erkelenz | Kindergarten Kueckhoven-Grosche
Kindergartengruppe Kückhoven 1913 mit Pfarrer Grosche

Lazarettdienst im Ersten Weltkrieg

Kurz nach Kriegsbeginn war das Kloster bereits ein Hilfslazarett. Die Mädchen der Nähschule blieben aus und der Kindergarten war geschlossen bis Februar 1915, obwohl auch dann noch bis zu 60 Verwundete gepflegt wurden. Die Chronik der Schwestern berichtet von der Teuerung der Lebensmittel. Das Kloster verfügte zwar über einen Garten und man führte im Oktober eine Kartoffel- und im November eine Kornsammlung durch, um den Lebensunterhalt der Schwestern zu sichern, aber die Lebensmittelknappheit traf auch die Kranken und die Schwestern.

Auch 1916 wurden bis zum 6. März Verwundete, vor allem Lungenkranke, gepflegt. Die Anzahl der Kranken und infolgedessen der Toten stieg, was die Chronik auf zu geringe Nahrungsmittel zurückführt. Im Jahr 1917 wurden insgesamt 373 Kranke, darunter schwer an Typhus erkrankte gepflegt und 91 Nachtwachen gehalten. 1918 erkrankten zwei der vier Schwestern schwer, so dass die Nähschule und der Kindergarten geschlossen werden mussten.

Zwischen den Kriegen

Der Waffenstillstand wurde im November erklärt und wiederum 14 Tage lang Soldaten einquartiert. Auch die Franzosen eröffneten im Kloster ein Lazarett und eine Praxis. Der Kindergarten wurde von 70 bis 80 Kindern besucht. Am 6. Februar 1919 zogen die Franzosen ab. Schwester Anthusa wurde durch Schwester Sixtina abgelöst, die Gartenarbeit übernahm ein Außenstehender, Gerhard Lemmen. 1920 bis 1923 stiegen die Preise weiter wegen der galoppierenden Inflation. Im August 1923 kostete das Pfund Speck eine Million Mark.

© Archiv der Pfarrei Christkönig Erkelenz | Kindergarten Kueckhoven-1931
Das Innere des Kindergartens Kückhoven 1931

Der Kindergarten wurde 1926 ganz neu eingerichtet und 1928 die große Halle erbaut. 1931 besuchten 12 Mädchen die Nähschule und 84 Kinder den Kindergarten. 1938 waren bereits sechs Schwestern in Kückhoven stationiert, Schwester Sixtina als Oberin, zwei Schwestern für die Krankenpflege, je eine für Küche und Nähschule und Schwester Salonis für den Kindergarten, der von 70 bis 80 Kindern besucht wurde. Schwester Sixtina wurde im Oktober versetzt und von Schwester Piata abgelöst. Schwester Salonis Aufgabe übernahm Schwester Principia.

Zweiter Weltkrieg

Zu Beginn des 2. Weltkrieges kamen sechs Militärärzte nach Kückhoven, um im Kloster ein Lazarett mit 25 Betten zu eröffnen. Der Kindergarten wurde in die Volksschule verlegt, die Nähschule wurde für ein Untersuchungs- und Verbandszimmer benötigt. Im Dezember wurde zwar das Lazarett aufgelöst, aber erst im Mai 1940 gingen die Soldaten fort. Am 19. April 1941 fiel der Kindergarten in die Hände der NS – Volkswohlfahrt. 1943 wurde das Kloster von sieben Brandbomben getroffen. Nähschule, Kapelle und Klausur brannten. Insgesamt brannten 35 Häuser in Kückhoven, aber es gab keine Toten.
1944 wurden Kindergarten, Bügelzimmer und Nähschule zunächst von der Hitlerjugend beschlagnahmt, danach kamen Flakhelfer, Frontsoldaten, Gendarmerie und SS Leute. Letztere richteten dort den ersten Verbandsplatz und im 1. Stock eine Zahnarztpraxis ein. Tiefflieger kreisten ständig, am 8.12. wurden auch die Schwestern nach den Dorfbewohnern, die schon fort waren, nach Angermund evakuiert.

Wiederaufnahme des Dienstes nach dem Krieg

Nach vielen Irrfahrten sammelten sich die Schwestern im Juli 45 wieder in Kückhoven. Das Haus hatte sehr gelitten und wurde mühsam instandgesetzt. Die Einwohner Kückhovens versorgten die Schwestern mit Lebensmitteln. Da die Pfarrkirche zerstört war, fand auch der Gottesdienst in den Räumen des Kindergartens statt.
Im Januar 46 konnte er wieder mit 80 Kindern öffnen, die Nähschule besuchten 84 Mädchen. Da hatten die Schwestern Severanda und Cajeta alle Hände voll zu tun. Es gab eine Suppenspeisung täglich. Im Haus wurden jetzt auch ältere Leute gepflegt, deren Heim durch den Krieg zerstört worden war. In der Ambulanz wurden 1948 343 Kranke mit 3626 Besuchen und 49 Nachtwachen betreut.

Fokussierung auf Alten- und Krankenpflege

© Rita Hündgen | Chronik Schwestern Kückhoven 1950/1

In den kommenden Jahren lag ein Schwerpunkt auf der Betreuung von alten und kranken Menschen, betreut von Schwester Alinda, die 1953 in den Ruhestand ging. Im Haus wurden immer wieder Umbauten und Reparaturen notwendig, der Platz reichte nicht aus. So gab es bereits 1960 Pläne für einen Neubau, die endlich 1963 verwirklicht wurden. Die Schwestern konnten das neue Haus mit 22 Plätzen für pflegebedürftige Damen im Dezember beziehen.

Ab 1970 wurde der Kindergarten von weltlichen Kräften geführt. 1975 waren nur noch Schwester Attalina und Schwester Ermenberta in Kückhoven, da Schwester Leowina erkrankte und noch im selben Jahr starb und Schwester Kineda nach Gangelt versetzt wurde. Schwester Attalina wurde nach Beendigung ihrer Amtszeit von Schwester Ethelberga abgelöst.

Verstärkt wurde die kleine Gemeinschaft noch von Schwester Lucilliana, die mit Schwester Judith die älteren Damen versorgte und auch in der Ambulanz tätig war. Nach der Rückkehr von Schwester Judith nach Indien kam Schwester Konradine ins Haus. Inzwischen war das Heim nicht mehr vollständig belegt. Der Nachwuchsmangel machte sich bemerkbar und mehrere Filialen des Ordens mussten schließen. Am 2. September 1981 wurde so auch der Vertrag mit der Kirchengemeinde gekündigt und am 28. Februar 1982 verließen die Schwestern nach einer Abschiedsfeier das Haus für immer. Alle Abschiedsreden drückten Dank für 70 Jahre aufopfernde Tätigkeit und Bedauern über das Scheiden der Schwestern aus.1

© Wolfgang Lothmann | Kückhoven Seniorenheim 2021
Neubau des Seniorenheims nach Abriss des Klosters 2021
  1. Text von Rita Hündgen, veröffentlicht in der Broschüre zur Ausstellung „Ordensschwestern im Erkelenzer Land – eine Spurensuche“, die im Jahre 2020 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Heimatvereins und des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Hohenbusch e. V. im Kloster Hohenbusch erstmalig gezeigt wurde. Die Überschriften wurden hinzugefügt.
  1. Rita Hündgen u. a., Ordensschwestern im Erkelenzer Land - eine Spurensuche. Broschüre zur Ausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V. und des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Hohenbusch e. V., Erkelenz, 2020, Seite 29 bis 33

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