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Ordensschwestern in Lövenich

Die Schulschwestern

Erste Bestrebungen zur Errichtung einer Mädchenschule

Bereits 1860 gab es in Lövenich erste Bestrebungen, eine von Ordensfrauen geleitete Mädchenschule zu gründen. Initiatorinnen dieses Planes waren Christina Thelen und Magdalena Gripekoven. Die beiden Damen stammten aus Lövenich und wollten zu diesem Zweck ihr Elternhaus nebst Garten der Gemeinde überlassen. Beide Damen gehörten dem dritten Orden des Hl. Franziskus an.
Das Vorhaben fand jedoch in der Gemeinde nur wenig Zuspruch, weswegen die Schenkung nicht zustande kam. Ein Jahr später kam das Thema erneut auf die Tagesordnung. Als nämlich im Sommer 1861 ein neues Schulgebäude als Knabenschule seiner Bestimmung übergeben worden war, fiel die Entscheidung, fortan in dem alten Gebäude die Mädchen des Dorfes zu unterweisen. Die Schülerinnen sollten aber zukünftig ausschließlich von Frauen unterrichtet werden. Schließlich, so lautete die Argumentation: „sollten die Schülerinnen keiner Gefahr ausgesetzt werden, wenn sie von ledigen Lehrern unterrichtet würden.“

Schwestern vom Armen Kinde Jesus

© Stadtarchiv Erkelenz | Maedchenschule

Aus diesem Grund knüpfte der damalige Pfarrer von Lövenich, Johann Heinrich Dückers, Kontakt zum Mutterhaus der „Kongregation der Schwestern vom Arme Kinde Jesus“ in Aachen. Der Orden widmete sich völlig der Erziehung und der Unterrichtung armer Kinder. 1862 schrieb er in einem Brief an die Oberin des Klosters, Schwester Clara. (Selige Schwester Clara Fey): „Der bessere Teil von Lövenich sehnt sich nach geistlichen Schwestern, um denselben ihre weibliche Jugend anzuvertrauen.“ Weiter erläuterte Pfarrer Dückers, dass die Gemeinde zwar ein neues Schulhaus angekauft habe, dieses aber nach seiner Auffassung für die Schwestern ungünstig sei, da sie dort zu weit (5 Minuten) von der Kirche entfernt wohnen würden. Dückers empfahl ihnen daher das alte Schulhaus nebst Lehrerwohnungen. Es läge nahe an der Kirche und verfüge über drei Schulsäle. Davon könne einer sicher zur Hauskapelle umfunktioniert werden.
Dem Abkommen zwischen der Pfarrgemeinde und dem Orden zufolge sollten die Schwestern, die alle die Lehramtsbefähigung hatten, neben den „gewöhnlichen Elementarschulfächern“ auch Unterricht in „weiblichen Handarbeiten“ erteilen. Darüber hinaus sollten sie die Schülerinnen während des Gottesdienstes beaufsichtigen. Im September konnte Pfarrer Dückers bereits dem Gemeinderat die Zustimmung übermitteln. Für ihre Aufgabe erhielten zwei Ordensschwestern ein Jahresgehalt von 175 Talern pro Person. Die ersten Schwestern waren Schwester Margaretha Maria (Anna Maria Schlag, Vorsteherin bis 1872) und Sr. Maria Alphonsa (Henriette Deußen), die im Oktober 1863 die Mädchenschule übernahmen. Sie zogen in das Obergeschoss der Mädchenschule ein. Im Jahr 1865 musste sogar eine 5. Klasse eingerichtet werden und die Schwestern mussten ins Dachgeschoss ausweichen. 1872 kamen Schwester Hedwig Maria (Catharina Siemens Schmidiger) und Schwester Valentina (Clara Wolters) nach Lövenich als Ersatz für Schwester Maria Alphonsa.

Zwischen 1863 und 1878 wirkten und lebten zeitgleich bis zu acht Schulschwestern in Lövenich. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Regionen des Deutschen Reiches. Im Zuge des Kulturkampfes, dem Konflikt zwischen Preußen und der katholischen Kirche, mussten die Schwestern im April 1878 Lövenich verlassen, da allen geistlichen Orden und Kongregationen verboten wurde Mädchen und Jungen zu unterrichten.

Die Schwestern des Sankt Josef-Krankenhaus Lövenich

Vorbemerkung

Seit den 1860er Jahren bis zum Jahre 1969 gab es in Lövenich ein Krankenhaus, das von Ordensschwestern getragen wurde. Dies waren zunächst bis 1878 Schwestern vom Armen Kinde, ab 1882 bis 1965 Schwestern der Gemeinschaft der Cellitinnen aus Köln. Das Gebäude am Gasberg wurde danach zum Seniorenheim.

Anfänge

Vorgängerinnen der Cellitinnen waren acht Schwestern vom Armen Kinde Jesus, die über mehrere Jahrzehnte in Lövenich Dienst an Kranken leisteten und auch im Schuldienst tätig gewesen waren. Im Jahre 1878 mussten sie wegen des Kulturkampfes den Ort verlassen und nach Holland flüchten.
Der Wunsch nach einem eigenen Krankenhaus blieb in Lövenich wach und erfüllte sich von 1882 bis 1965, indem die Gemeinschaft der Cellitinnen aus Köln in Lövenich ein solches leiteten. Sie widmeten sich vor allem der Alten- und Krankenpflege und kümmerten sich um Arme und Waisen. Das Krankenhaus in Lövenich geht auf eine Stiftung des Ackerers Johann Simon Piel zurück. Als Universalerbe seines Neffen Johann Hubert Hamacher (+1868) war es sein Wunsch: „…das ererbte Vermögen für die Errichtung einer Anstalt für Kranke und Waisen zur Verfügung zu stellen.“ Insgesamt vermachte Johann Simon Piel der katholischen Pfarrgemeinde St. Pauli Bekehrung in Lövenich 35 Parzellen Ackerland mit einer Gesamtfläche von 24 Morgen sowie ein bebautes Grundstück mit Haus, Hofraum, Stallung, Scheune, Garten und Baumgarten im Gasberg zwecks Errichtung einer Anstalt zur Aufnahme von Kranken und Waisen. Die Schenkung sollte nach seinem Tod 1875 wirksam werden.

Übernahme durch die Cellitinnen

Das Haus von Simon Piel war lediglich für die Wirtschaftsgebäude und die Kapelle geeignet. Daher wurde zwischen 1880 und 1881 nach den Plänen des Maurermeisters Baok aus Grevenbroich ein neues Kloster errichtet. Aber auch dieser Neubau erwies sich schon bald als zu klein und so wurde es 1898 um einen Gebäudeteil und eine neue Kapelle erweitert. Hierfür konnte die Kirchengemeinde den Kölner Baumeister Theodor Cremer gewinnen. Die Kosten für den Erweiterungsbau betrugen 15000 Mark. Zu deren Deckung waren 10.000 Mark durch Spenden vorhanden und 5.000 Mark wurden zu 3% Zinsen aufgenommen. Um den Ordensschwestern die Errichtung einer Kapelle zu ermöglichen, hatte der in Erkelenz tätige Kaplan Herle, bereits im Jahre 1887, den „St. Augustinus-Kapellenverein“ gegründet. Der monatliche Mitgliedsbeitrag betrug 20 Pfennige. Durch weitere bedeutende Stiftungen und durch den Kauf von benachbarten Grundstücken konnte die wirtschaftliche Grundlage des Kranken- und Waisenhauses gesichert werden. Am 20. November 1882 reiste die Generaloberin Mutter Crescentia mit den Schwestern Heriberta, Thadäa und Beatrix nach Lövenich, um dort die neue Filiale zu gründen.

Aufgaben und Verwaltung

Bis zu neun Schwestern übernahmen die vom Stifter geforderte Sorge für die stationär untergebrachten Waisen und Kranken. Darüber hinaus unterhielten sie ein Altenheim und übten auch ambulant Krankenpflege aus, indem sie in unzähligen Fällen die Erkrankten zu Hause aufsuchten und versorgten, sie trösteten und an ihren Betten wachten. Zudem betrieben sie eine ausgedehnte Landwirtschaft. Die zum Besitz des Klosters gehörenden Ländereien waren so umfangreich, dass das Krankenhaus sich nahezu selbst versorgen konnte. Neben dem Krankenhaus lag der Bauernhof des Stifters, in dessen Stall Kühe, Schweine und Federvieh gehalten wurden. Neben dem Krankenhaus unterhielten die Schwestern ein kleines Waisenhaus für die Waisenkinder der Gemeinde. Seit 1901 übernahmen sie dann noch den Kindergarten der Pfarre. Für die älteren Bewohner des Ortes boten die Schwestern zusätzlich Pflegeplätze in ihrem Haus an. Schließlich betreuten sie noch unzählige Kranke aus Lövenich und den umliegenden Ortschaften. Aus diesem Grund nannte man die Schwestern im Volksmund auch „Die Engel von Lövenich.“

© unbekannt | Lövenich Krankenhaus 1919
Lövenich Krankenhaus 1919

Die kaufmännische Leitung des Hauses lag in den Händen der jeweiligen Oberin, so dass die Schwestern völlig selbstständig wirtschaften konnten. Im Jahre 1912 wurden Rekonvaleszenten von der LVA Rheinprovinz aufgenommen. Aus einer überlieferten Hausordnung geht hervor, dass sich jeder Kranke und Pflegling, soweit es seine Körperkräfte gestatteten, mit nützlicher Tätigkeit in Haus und Garten beschäftigen sollte. Hierbei sei den Anordnungen der Oberin Folge zu leisten. Weiter heißt es in der Hausordnung: „damit die Kranken und Pfleglinge möglichst den ganzen Tag dem Genuss der frischen Luft sich hingeben, ist jeder unnötige Aufenthalt im Haus zu vermeiden.“

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

© unbekannt | Krankenhaus um 1940
Sankt Josef-Krankenhaus um 1940

Während des zweiten Weltkriegs diente das Haus beim Näherrücken der Front als Lazarett. Zivilisten und Soldaten, auch ausländische, wurden hier behandelt. Nach dem Krieg konnte der Betrieb erst ab August 1949 wegen der Kriegsschäden wieder aufgenommen werden. In den nachfolgenden Jahren nahmen die Schwestern vorübergehend auch Feriengäste in ihr Haus auf. Schwester Irenäa sorgte für das leibliche Wohl.

Durch den Ausbau der Krankenhäuser der näheren Umgebung wurde die Existenz des Hauses in Lövenich immer mehr in Frage gestellt. Doch die Lövenicher Bevölkerung wollte nicht auf ihr Krankenhaus verzichten.

© unbekannt | Operationsraum

Mit großer finanzieller Unterstützung der Bürgerschaft wurde 1963 eine umfassende Sanierung des Sankt Josef-Krankenhauses vorgenommen. Das Haus erhielt hierbei einen Aufzug und einen modernen Operationsaal. Oberin war zu der Zeit Schwester Maria Agrita. In den darauffolgenden Jahren spezialisierte sich das Haus auf Geburtshilfe. Während dieser Zeit erblickten in dem kleinen Krankenhaus mit 40 Betten jährlich zwischen 90 und 100 Kinder das Licht der Welt. Zusätzlich wurden im Erdgeschoss weiterhin Senioren betreut.

Schließung des Gebäudes

© unbekannt | Schwester Elektra
Schwester Elektra (1870 – 1963)

Am 19. Juni 1963 verstarb Schwester Elektra im Alter von 93 Jahren. Sie gehörte 68 Jahre dem Orden der Cellitinnen an, wovon sie 51 Jahre in Lövenich gedient hatte. Ihre Aufgaben lagen vor allem im ambulanten und stationären Krankenpflegedienst. Zur Vollendung des 87. Lebensjahres war ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen worden. Wegen mangelnden Nachwuchses mussten die Schwestern, neun an der Zahl, 1965 das Haus aufgeben. Diese
Nachricht löste in Lövenich große Bestürzung aus, von einer Hiobsbotschaft ist in einem Artikel zu lesen. Von 1966 bis 1969 wurde das Haus noch von freien Schwestern weitergeführt.

Neue Verwendungen des Krankenhauses

Danach übernahm der Caritasverband das ehemalige Krankenhaus und richtete dort eine Tagesstätte für geistig behinderte Kinder ein. Seit 1977 wird es von einem privaten Träger als Seniorenheim genutzt.

Oberinnen der Cellitinnen

Schwester Heriberta Schornab 1882Schwester Onuphria Burg1931 – 1940
Schwester Sebastiana Jordansab 1892Schwester Benno Esser1940- 1949
Schwester Hyacintha Hausmann1901 – 1915Schwester Totnata Vitt1949 – 1956
Schwester Athanasia Trömer1915 – 1920Schwester M. Belina Müller1956 – 1960
Schwester Agneta Lindemann1920 – 1924Schwester M. Agrita Rosendahl1960 – 1964
Schwester Euphemia Vamberg1924 – 1931Schwester M. Irmgard Begon1964 – 1965
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  1. Text von Rita Hündgen, veröffentlicht in der Broschüre zur Ausstellung „Ordensschwestern im Erkelenzer Land – eine Spurensuche“, die im Jahre 2020 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Heimatvereins und des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Hohenbusch e. V. im Kloster Hohenbusch erstmalig gezeigt wurde. Die Vorbemerkung und die Überschriften wurden hinzugefügt.
  1. Rita Hündgen u. a., Ordensschwestern im Erkelenzer Land - eine Spurensuche. Broschüre zur Ausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V. und des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Hohenbusch e. V., Erkelenz, 2020, Rita Hündgen: Die Cellitinnen der Schmerzhaften Mutter aus Köln im St. Josefs-Krankenhaus in Lövenich

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